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MIOTY – die Revolution des IoT

Quelle: Elektronik 7/2019, elektronik.de

LPWANs im lizenzfreien Frequenzbereich kämpfen mit Nachteil: Sie müssen sich den Übertragungskanal mit anderen Funksystemen teilen. Um in diesem Bändern dennoch eine robuste Übertragung zu erreichen, wurde am Fraunhofer llS ein neues Übertragungsverfahren entwickelt.

Das loT – lnternet of Things – wird immer greifbarer. Das lnternet und seine Dienste erleichtern unseren Alltag enorm. Egal ob Social Media, Streaming oder einfach nur die Möglichkeit, jederzeit auf lnformationen zuzugreifen, das alles ist fest in unserem Alltag integriert. Das lnternet der Dinge erweitert diese Vernetzung und bezieht auch Dinge mit ein. Die Anwendungen hierfür sind breit gefächert und reichen bis zu einem komplett vernetzten, intelligenten Smart Home. Oder eben, größer gedacht, in eine Smart City. Das Prinzip ist einfach: Sensoren messen verschiedene
Parameter und ihre Messdaten stehen zentral zur Verfügung. Dabei ist die Funkvernetzung, vor allem über weite Distanzen, elementar. Und mehr noch – die Batteriebetriebsdauer der einzelnen Sensoren soll mehrere Jahre betragen, damit deren Überwachung möglichst wenig Kosten verursacht. Die Low Power Wide Area Network (LPWAN) Funktechnik Mioty bietet genau das.

Wofür steht Mioty?
Der Name leitet sich ab von dem Ausdruck ,,My lnternet of Things” und ist
eine LPWAN-Technik aus dem Hause Fraunhofer. Die Einsatzgebiete solcher LPWANs sind vielfältig, Mioty wird vor allem im lndustrieumfeld und in Smart-City-Szenarien eingesetzt.
Beispiele für solche Anwendungen in einer vernetzten Stadt sind vor allem die großflächige Überwachung von Umweltparametern wie Feinstaub, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Auch Anwendungen wie Parkplatzmanagement sind denkbar. Für lndustrie 4.0 ist Mioty ebenso eine große Hilfe: Zustandsüberwachung von Produktionsmaschinen für eine vorausschauende lnstandhaltung ist hierfür nur ein Beispiel von vielen. Auch extremen Herausforderungen im Bergbau oder bei der Ölförderung kann Mioty als robustes Funknetzwerk begegnen. Dort ist eine hohe Störfestigkeit Voraussetzung.

Die Besonderheit: Telegramm-Splitting
Was macht Mioty zu einem besonders robusten Funknetzwerk? Das Einzigartige ist das sogenannte Telegramm-Splitting, mit dem Mioty arbeitet. Technisch gesehen wird dabei das Signal, das von den Sensoren gesendet werden soll, in viele kleine Sendepakete, soge­nannte Subpakete, unterteilt und auf unterschiedlichen Frequenzen und mit zeitlichen Abständen per Funk gesen­det. Die Darstellung in Bild 1 veranschaulicht dieses Verfahren. Dabei wird ein Telegramm in S Subpakete unterteilt und übertragen.

Bild 1. Telegramm-Splitting: Ein Telegramm wird bei Mioty auf viele kleine Subpakete zerteilt, die in unregelmäßigen zeitlichen Abständen nacheinander auf unterschiedlichen Frequenzen gesendet werden. (Quelle: Fraunhofer IIS)

Die Vorteile des Splittings
Mit Hilfe des Telegramm-Splitting­ Verfahrens werden wesentliche Leis­tungsfaktoren klassischer LPWA-Netz­ werke signifikant verbessert, nämlich die effiziente Nutzung der bereitgestell­ten Kapazität des Energiespeichers (Batterie) und die extreme Robustheit gegenüber Störern, sowie die daraus resultierende hohe Netzwerkkapazität.

Batteriewechsel – nie wieder?
Mioty ermöglicht im Vergleich zu ande­ren auf dem Markt verfügbaren LPWAN­ Techniken eine sehr viel längere Batte­ rielebensdauer. Diese begründet sich zum einen in der  kürzeren Übertra­gungsdauer (Sendezeit) und zum anderen in der Art wie Batterien belastet werden.
–  Kurze Sendezeit: Um eine gleich hohe Reichweite zu erzielen, brauchen andere LPWAN-Techniken eine Sende­ dauer von einer Sekunde und mehr. Mioty benötigt dagegen weniger als 400 ms Sendezeit . Durch die kürzere Betriebsdauer des Sendeverstärkers wird weniger Energie benötigt.
Geringere Belastung für die Bat­terie: Typische Batterien zur Realisie­rung einer langen Lebensdauer haben einen hohen Innenwiderstand und sind nur für eine geringe Strombelastung geeignet (Bild 2). Der Innenwiderstand der Batterie verursacht eine Spannungs­ differenz, die proportional zur Last­ stromstärke ist. Wenn die Spannung über dem Innenwiderstand zu hoch wird, reicht die Quellenspannung der Batterie nicht mehr aus, um den not­wendigen Strom für den Sender zur Verfügung zu stellen. Die Schaltung kann ihre Funktion nicht mehr erfüllen.

Bei Funksendern findet typischerweise eine pulsartige Übertragung statt, bei der der Sender für eine bestimmte Zeit aktiv ist und danach in einen längeren Schlafmodus mit geringerer Stromaufnahme  übergeht. Die während der Übertragungszeit höhere Stromaufnah­me wird am Ende der Batterielebens­dauer, wenn der Innenwiderstand an­steigt, entscheidend . Er führt zu einer höheren Spannungsdifferenz über dem Innenwiderstand, wodurch die Betriebs­spannung der Schaltung unter den Mindestwert fällt, lange bevor die Nenn­kapazität der Batterie entladen wird. Um dieses Problem des vorzeitigen Ausfalls zu verhindern, wird normaler­weise ein Kondensator  (Cs) als Puffer verwendet. Die Größe des Kondensators hängt von der Dauer des Sendepulses ab. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des Telegramm-Splitting-Verfahrens. Für die kompakte, also ungeteilte, Über­tragung eines Telegramms müssten große Kondensatoren eingesetzt wer­den. Sonst könnte die Nennkapazität der Batterie nicht vollständig ausge­nutzt werden und die geplante Lebens­ dauer des loT-Gerätes, z.B. ein Funksen­sor, würde nicht erreicht werden. Aber dort liegt der große Vorteil bei Mioty: Das Aufteilen des Telegramms in meh­rere Teilpakete reduziert die Größe des Kondensators um den Faktor 1/S. So kann die Nutzungsdauer der Batterien mit Mioty verlängert werden, um so problemloser eine Batterielebensdauer von zehn Jahren zu erreichen. Durch die oben beschriebene kürzere Sendezeit sowie wegen der geringeren Batterie­belastung können beispielsweise mit zwei Alkali-Mangan Mignonzellen (Typ: AA, ca. 2000 mAh) über elf Jahre hin­weg zwei Telegramme pro Stunde mit 10 Byte Nutzdaten versendet  werden. Dabei wird eine Ruhestromaufnahme von 2 µA zugrunde gelegt.


Bild 2. Die typische Stromversorgung für ein Sendemodul in einem Funksensorknoten basiert auf einer Primärzelle mit hoher Kapazität. Solche Zellen können aufgrund ihres hohen Innenwider­ standes keine hohe Leistung abgeben, deshalb wird zusätzlich ein Kondensator Cs ergänzt,der kurzzeitig die zum Senden nötige Leistung bereitstellt. (Quelle:Fraunhofer IIS)

Durch eine Erweiterung um Energy Harvesting können Funksensoren mit Mioty-Sender autark und ohne Batterie betrieben werden. Auch in diesem Fall sorgt das Telegramm-Splitting für eine niedrigere Strombelastung, sodass ebenfalls auf große Kondensatoren verzichtet werden kann.

Robust gegenüber Störern trotz lizenzfreiem Frequenzband
Die meisten LPWAN-Systeme arbeiten, wie auch Mioty, im lizenzfreien Fre­quenzbereich, den sogenannten ISM­ (lndustrial,Scientific and Medical) oder SRD- (Short Range Devices) Bändern. Der Vorteil dieser Bänder ist, dass dort ohne Lizenzgebühren übertragen wer­den kann. Durch den Umstand, dass diese Bänder ohne Gebühren verwen­det werden können, werden diese Bänder von vielen verschiedenen Funk­systemen wie Auto-Funkschlüsseln, Babyfonen oder Funkthermometern verwendet. Durch die Vielzahl an ver­schiedenen Anwendungen, die auf das gleiche Band zugreifen, steigt die Wahr­scheinlichkeit einer gegenseitigen Stö­rung und somit eines Paketverlustes. Genau für diesen Anwendungsfall wur­de das Telegramm-Splitting in Kombination mit der hohen Kanalcodierung-Faltungscode mit Coderate 1/3 – ent­wickelt und erzielt damit eine unüber­troffene Robustheit gegenüber Stör­signalen. Damit ist es möglich, die Daten auch in stark genutzten Kanälen – bis zu 50 % des Kanals können durch Stö­rung belegt sein – trotzdem zuverlässig ohne Verluste zu übertragen.
Die Auswirkungen von Störungen durch fremde Funksysteme sind im Bild 3 dargestellt. Dabei gilt es folgende drei Typen zu unterscheiden:
Breitbandige Störung, deren Si­gnalbandbreite deutlich größer als die von Mioty ist: Durch die hohe Band­breite – und damit auch Modulations­rate – haben diese Systeme eine im Vergleich zu Mioty kurze Übertragungs­dauer. Durch die beim Telegramm­ Splitting eingefügten Pausen zwischen den Subpaketen wird gewährleistet, dass maximal ein Subpaket von der Störung betroffen ist. Dieses eine ge­störte Subpaket kann im Empfänger mittels der Kanalcodierung wieder­ hergestellt werden, sodass es trotz der Störung zu keinen Datenverlusten kommt.
Schmalbandige Störungen, deren Signalbandbreite, gleich oder kleiner als die von Mioty ist: Durch die gerin­ge Bandbreite – und damit auch Mo­dulationsrate – haben diese Systeme eine im Vergleich zu Mioty lange Über­tragungsdauer. Durch das beim Tele­gramm-Splitting eingesetzte Frequenz­ Hopping wird gewährleistet, dass maximal ein Subpaket von der Störung betroffen ist.


Bild 3. Das Telegramm-Splitting bei Mioty wurde so gewählt, um Störungen durch andere Sender zu minimieren. Sollte ein Subpaket durch ein Störsignal nicht empfangen werden können, so kann das Telegramm im Empfänger rekonstruiert wetden. (Quelle: Fraunhofer IIS)

Störungen durch Systeme mit Frequenzspreizverfahren: Hierbei gilt es zwei verschiedene Arten von Verfah­ren zu unterscheiden. Im ersten Fall, bei dem die Frequenzänderung des Signals im Verhältnis der Bandbreite des Mioty­ Signals relativ langsam ist, kann das Signal als schmalbandiger Störer ange­sehen werden. Falls ein Verfahren mit schnellem Frequenzwechsel eingesetzt wird, wird die Signalleistung über die gesamte Bandbreite verteilt. Somit ist der Leistungsanteil, der in das schmale Band eines Mioty-Kanals fällt, sehr ge­ring. Weiterhin ist die Dauer eines sol­chen Signals typischerweise deutlich kürzer als die Dauer eines Mioty-Tele­gramms, sodass nur wenige Subpakete von der Störung betroffen sind, die im Empfänger wiederhergestellt werden können.

Große loT-Netzwerke bedeuten hohe Netzwerkkapazität – oder?
Durch die Nutzung des Telegramm­ Splitting-Verfahrens kann die Netzwerk­kapazität gegenüber anderen Verfahren ohne Telegramm-Splitting extrem er­höht werden. Mioty-Netzwerke können hunderttausende unabhängige End­geräte mit nur einer Basisstation ver­binden, ohne deren Übertragungen koordinieren zu müssen. Das liegt am Telegramm-Splitting-Verfahren, das im Folgenden für diesen Aspekt genauer erklärt wird.
Zur Vereinfachung werden im Bild 4 zwei Endgeräte betrachtet. Sie senden inner­halb eines Zeitintervalls (Tt) periodisch Telegramme aus. Von Zeit zu Zeit können sich die beiden Telegramme so überlap­pen, dass mindestens eines oder auch beide nicht korrekt empfangen werden. Dies tritt nur auf, wenn sich mindestens 50 % der beiden Telegramme überlap­pen. Eine solche Überlappung kann nur dann auftreten, wenn das störende Te­legramm – gleiche Sendedauer – frühes­tens eine halbe Telegrammdauer vor der gewünschten Aussendung beginnt. Der letztmögliche Zeitpunkt, an dem sich mehr als 50 % der Telegramme überla­gern, ist eine halbe Telegrammdauer nach dem Beginn der gewünschten Aussendung. Diese Zeitspanne umfasst somit eine ganze Telegrammdauer und wird in Bild 4 als Kollisionsintervall be­zeichnet.


Bild 4. Durch das Telegramm-Splitting reduziert sich das Kollisionsintervall, in dem ein anderer Sender den Empfang der Nachricht stören kann, um den Faktor 1/S-mit S = Anzahl der Subpakete. (Quelle: Fraunhofer llS)

In Bild 4 wird das Kollisionsintervall am Beispiel einer klassischen Übertragung ohne Telegramm-Splitting und einer Übertragung mit Telegramm-Splitting gezeigt. Die Anzahl der Subpakete ist in Bild 4 mit dem Buchstaben S darge­ stellt. Die Subpakete werden mit einer bestimmten Dauer (Ts) und unterschied­lichen übertragungsfreien Zeitinterval­len dazwischen gesendet, wobei die Gesamtdauer aller Subpakete der glei­chen Dauer wie der klassischen Über­tragung entspricht, also Ts= Tt/S.
Beim Telegramm-Splitting verringert sich das Kollisionsintervall um den Faktor S und somit wird die Wahrschein­lichkeit eines Paketverlustes im gleichen Maß reduziert. Bei gleicher Paketver­lustrate für die klassische Übertragung und die Übertragung mit Telegramm­ Splitting, kann mit Mioty eine größere Netzwerkkapazität erreicht werden.

Kanalcode und Sprungmuster zur maximalen Fehlervermeidung
Eine technische Besonderheit bei Mioty ist der verwendete Kanalcode. Er kann Fehler korrigieren, indem die Daten eines oder mehrerer gestörter Teilpa­kete rekonstruiert werden.
Die Aufteilung der Subpakete auf die Zeit und die Frequenz wird auch als Sprungmuster bezeichnet. Dabei ist die Möglichkeit gegeben mehr  als ein Sprungmuster zu definieren. Damit ist es sogar möglich zwei Teilnehmer pa­rallel zu empfangen, wenn beide ihre Übertragung innerhalb des Kollisions­intervalls starten.
Es wird ein Satz an Sprungmustern definiert, die sowohl dem Sender als auch dem Empfänger bekannt sind. Der Sender wählt eines dieser Muster für die Übertragung aus, z.B. zufällig oder nach einer Vorschrift. Starten nun zwei Teil­ nehmer zum gleichen Zeitpunkt eine Übertragung, tritt nur dann ein Paket­ verlust auf, wenn beide Teilnehmer das gleiche Sprungmuster wählen. Im Ver­gleich zum vorherigen Szenario (Bild 4) mit nur einem Sprungmuster, kann somit die Wahrscheinlichkeit eines Pa­ketverlustes weiter  reduziert werden.
In einem Netzwer mit vielen asynchronen Endgeräten, die nicht untereinan­der synchronisiert sind, treten dann Teilpaketkollisionen nur zufällig auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kollisio­nen nicht aufgelöst werden können, verringert sich im Vergleich zur klassi­schen kompakten Telegrammübertra­gung drastisch.
Wie in den vorherigen Absätzen ge­zeigt, ergibt sich durch das Telegramm­-Splitting im Vergleich zu der klassischen Übertragung am Stück eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit eines Paketverlustes, wodurch bei gleicher Ausfallwahrscheinlichkeit mehr Teilneh­mer in einem Mioty-Netzwerk kommu­nizieren können.

Unabhängig vom Transceiver
Mioty wurde als reine Software konzi­piert. Ein Mioty-Netzwerk besteht aus einfachen, kostengünstigen Sensorkno­ten und einer leistungsfähigen Basissta­tion. Durch die Verwendung einer MSK­ Modulation (Minimum Shift Keying), können viele der auf dem Markt erhält­lichen Sub-GHz-Funk-ICs für Mioty verwendet werden. Senderseitig kom­men neben den Sensoren also Stan­dard-ICs zum Einsatz. Damit haben Endgeräteentwickler und Anwender den Vorteil einer Second Source und sie können zusätzlich von den günstigen Preisen der in großen Stückzahlen ge­fertigten ICs profitieren.
Das Signal der Endgeräte (Sender) wird in der Basisstation von einer Software­ Defined-Radio-Eingangsstufe (SDR) digitalisiert und von einem in Software realisierten Empfänger decodiert. Die Schaltung dafür basiert ebenso auf handelsüblichen Komponenten.

Konform zum ETSl-Standard
Langfristig werden sich auf dem LPWAN­-Markt nur Funksysteme durchsetzen, die eine Kompatibilität zwischen Ge­räten erlauben. Mitte 2018 wurde der ETSl-Standard TS 103 357 für Low­ Throughput-Networks veröffentlicht. Dieser LPWAN-Standard umfasst unter anderem die Protokollfamilie TS-UNB (Telegramm-Splitting – Ultra-Narrow­band) die auch das Telegramm-Splitting definiert.
TS-UNB verwendet Telegramm-Splitting Multiple-Access für die Übertragung vom Endgerät zur Basisstation (Uplink) und zurück (Downlink) – ist also bidirektional. Das Telegramm besteht aus einem Kern­rahmen, der bis zu 10 Byte Anwendungs­daten enthalten kann. Bei größeren Anwendungsdaten bis zu 245 Byte wird ein optionaler Erweiterungsrahmen angehängt, der die weiteren Daten ent­hält. Für jedes zusätzlich zu übertragen­de Byte Anwendungsdaten wird ein zusätzliches Subpaket angefügt.
Ein weiteres Hauptmerkmal von TS-UNB ist die MSK-Modulation mit differenziel­ler Vorcodierung. Die MSK-Modulation verfügt über eine konstante einhüllen­de Kurve, sodass Leistungsverstärker mit hohem Wirkungsgrad eingesetzt werden können. Die differenzielle Vor­codierung ermöglicht eine kohärente Decodierung auf der Empfängerseite. Dadurch wird eine maximale Leistungs­ übertragungsbilanz (Link Budget) von 153 dB, ein typischer Wert für Low Po­wer Wide Area Networks, bei höheren Datenraten erreicht.
Im Standard-Betriebsmodus beträgt die Übertragungszeit eines Subpakets circa 15 ms. Fügt man alle Subpakete ohne Pausen zusammen, dann resultiert da­raus eine Sendezeit von circa 363 ms. Aufgrund der eingefügten Pausen zwi­schen den Subpaketen beträgt  das Gesamtübertragungsintervall eines Standard-Telegramms – bis zu 10 Byte Anwendungsdaten – bei Verwendung des Standard-TSMA-Musters etwa 3,63 s. Für Anwendungen mit geringeren La­tenzanforderungen  ist ein spezielles TSMA-Muster vorgesehen, mit dem sich das Übertragungsze itintervall auf 0,77 s reduziert.
Für das Aussenden einer Bestätigungs­nachricht (ACK) von der Basisstation (Downlink) beträgt die Übertragungs­zeit eines Subpakets ca. 12 ms. Durch die reduzierte Anzahl an Subpaketen kann im Downlink im Vergleich zum Uplink die Sendezeit auf 106 ms redu­ziert werden. Auf diese Bestätigungs­nachrichten können  Datenübertra­gungsblöcke mit jeweils 18 Subpaketen folgen. Pro Downlink-Nachricht können bis zu 245 Byte Anwendungsdaten übertragen werden.

Mehrwert und Realisierung eines Mioty-Netzwerkes
Viele Mioty-Netzwerke werden derzeit in Testinstallationen eingesetzt – bei­spielsweise im lndustrie-4.0-Umfeld für die vorausschauende Überwachung von Produktionsanlagen.
Sogar im besonders schwierigen Berg­bau-Umfeld wurde Mioty schon verwen­det: Gemeinsam mit einem kanadischen Partnerunternehmen wurde Mioty unter Tage erfolgreich getestet. Die Belüftung ist im heutigen Bergbau der größte in­dividuelle Kostenfaktor – insbesondere, da Bergwerke tiefer und komplexer werden. Die Luftqualität im gesamten Bergwerk überwachen zu können, er­laubt den gezielten Luftaustausch zwi­schen den einzelnen Abschnitten. Dazu erfassen Sensoren den Sauerstoff- und Kohlenmonoxidgehalt an bestimmten Messpunkten.
Das Mioty-Funknetzwerk verbindet die Sensoren zur Messung der Luftqualität kostengünstig und robust. Bislang wur­ de WLAN verwendet, um Funksensoren in dem Bergwerk zu verbinden. Durch die eingeschränkte Funkreichweite müssten dazu etwa alle 50 m WLAN­ Zugangsknoten platziert und über Kabel verbunden werden. Da Kabel im Berg­baubetrieb leicht durchtrennt werden können, benötigen Bergbauunterneh­men eine leistungsfähige Funktechnik. Mioty ersetzt mit zwei Basisstationen eine Vielzahl an WLAN-Zugangknoten – und reduziert somit auch die Installa­tionskosten. Das Fraunhofer llS bietet mit Mioty eine robuste Funkübertragung. Sie wurde aufbauend auf der langjährigen Erfah­rung im Bereich der Kommunikation entwickelt und ist an die Anforderungen industrieller Anwender angepasst. Das sind die Voraussetzungen für den Ein­zug der Funktechnik in die Zukunft, z.B. zur Umweltüberwachung in der Indus­trie, Zuhause und in städtischen Netz­werken. Diese futuristisch klingenden Szenerien können schon in wenigen Jahren zur Realität werden.

Josef Bernhard, Rend Dünkler, Jakob Kneißl und Lea Otte (Fraunhofer IIS)









ENET LZE: Aus Seeleuten werden Forschungspartner – gemeinsames Projekt der FAU mit der Umeå Universität Schweden

Im Sommer 2017 segelte das ENET-Team des LZE auf dem Dreimaster Thor Heyerdahl im Rahmen von Science Sets Sail mit. Die Tour quer durch die Ostsee war ein Höhepunkt im begleitenden Qualifikationsprogramm von ENET.

An Bord hatten die „Seeleute auf Zeit“ die Gelegenheit, in einer nicht alltäglichen Umgebung internationale Kontakte zu knüpfen, innovative Ansätze für aktuelle Forschungsfragen zu entwickeln und die interdisziplinäre Kooperation voranzutreiben.

Zu solch einer Zusammenarbeit im Bereich der Topologieoptimierung kam es durch den Austausch zwischen Prof. Martin Berggren vom Department of Computing Science der Umeå Universität in Schweden und Fabian Lurz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Technische Elektronik der FAU und einer der Teilnehmer im ersten ENET-Jahrgang.

In den Gesprächen der beiden Forscher hatte sich herausgestellt, dass der Ansatz der Topologieoptimierung, den Prof. Berggren im Bereich der Mathematischen Optimierung untersucht, auch für Anwendungen in der Hochfrequenztechnik sehr interessant ist.

In den nachfolgenden Monaten wurde gemeinsam an der Topologietopimierung von Waveguide-Übergängen gearbeitet. Die ersten Ergebnisse der Arbeiten wurden jetzt auf der IEEE Radio & Wireless Week (RWW), die vom 20. – 23. Januar 2019 im Orlando, Florida, stattfand, veröffentlicht und gemeinsam vorgestellt.

Das zugehörige Paper wird im Tagungsband sowie in der Online-Bibliothek IEEEXplore veröffentlicht: Emadeldeen Hassan, Martin Berggren, Benedict Scheiner, Fabian Michler, Robert Weigel and Fabian Lurz, “Design of Planar Microstrip-to-Waveguide Transitions using Topology Optimization” in IEEE Radio and Wireless Symposium (RWS), Orlando, FL, 2019.


Startup Challenge 2018/19

Wie gründe ich mein eigenes Unternehmen? Insgesamt 36 Studierendenteams aus ganz Bayern konnten genau das während der Startup Challenge 2018/19 ausprobieren: In einem Online-Planspiel, das von der FAU organisiert wurde, traten sie gegeneinander an. Das Besondere an dem Wettbewerb: Studierende aller staatlichen Hochschulen in Bayern durften teilnehmen. Jetzt sind die Sieger in Nürnberg ausgezeichnet worden.

Sie haben sich Fukuro, Ryte oder Novis genannt und all das gemacht, was richtige Chefs machen. Gemeint sind die Teilnehmer der Startup Challenge 2018/19. Insgesamt 97 Teams aus 21 bayerischen Hochschulen meldeten sich im November an, 36 davon durften schließlich mitmachen. In den folgenden sechs Wochen spielten sie den gesamten Prozess einer Firmengründung durch. Auf verschiedenen virtuellen Marktplätzen traten Teams unterschiedlicher Hochschulen an: Sie präsentierten für eine vorgegebene Geschäftsidee eine Marketingstrategie, bereiteten den Markteintritt vor, stellten Mitarbeiter ein, führten Investorengespräche, trafen Entscheidungen. Dabei mussten sie natürlich die anderen Wettbewerber beobachten und auf sie reagieren. Am Ende setzten sich sechs Teams durch – ihre Unternehmen waren in der Simulation am erfolgreichsten.

Die Gewinner wurden nun im digitalen Grünungszentrum ZOLLHOF in Nürnberg von Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Vizepräsidentin der FAU, prämiert. „Das Thema Gründung gewinnt in Lehre und Forschung immer mehr an Bedeutung. Mit 21 teilnehmenden bayerischen Hochschulen hat erstmals ein Wettbewerb mit bayernweiter Interaktion zwischen gründungsinteressierten Studierenden unterschiedlicher Hochschulen stattgefunden – eine Wegmarke in der bayerischen Gründerhochschullandschaft“, erklärte sie anlässlich der Verleihung.

Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte: „Bei der Startup Challenge 2018/19 haben unsere Studentinnen und Studenten gezeigt, welche kreativen und ansprechenden Wege sie bei einer Unternehmensgründung gehen würden. Sie sind die Zukunftsgestalter von morgen, die den Fortschritt im Freistaat entscheidend mitgestalten. Ich gratuliere den Siegerteams herzlich zu ihrem Erfolg bei diesem Planspiel! Wettbewerbe wie dieser helfen, den Gründergeist zu fördern. Denn neben einer zündenden Idee braucht es zugleich ein schlüssiges und durchdachtes Konzept, um eine neue Technologie erfolgreich umzusetzen, sowie den Mut, ein Startup zu gründen.“

Die zwölf besten Teams bekamen Preisgelder in Höhe von insgesamt 5000 Euro. Die sechs besten Teams wurden zusätzlich zu einem Wochenende rund ums Thema Gründen nach Nürnberg eingeladen, an dem sich die Studierenden austauschen konnten und darüber hinaus von Experten des FAU-Gründerbüros und des Leistungszentrums Elektroniksysteme (LZE) Tipps fürs erfolgreiche Gründen bekamen.

Gewinnerteams (je 500 Euro Preisgeld und Einladung zum Abschlusswochenende):
Fukuro, FAU Erlangen-Nürnberg
markenlos, FAU Erlangen-Nürnberg und TH Nürnberg
East India Trading Company, Hochschule Kempten
Next D. Technologies, Hochschule München
Comp Champ, Hochschule Würzburg-Schweinfurt
Cayman Computers, Universität Regensburg, LMU München und Universität Bayreuth

Weitere Teams, die ebenfalls ausgezeichnet wurden (je 250 Euro Preisgeld):
Ryte, FAU Erlangen-Nürnberg
Phaethon, FAU Erlangen-Nürnberg und LMU München
Olymp Systems, FAU Erlangen-Nürnberg und TU München
Novis, Hochschule Augsburg
Orange Technologies, OTH Regensburg
Giga Labs, TH Nürnberg

Die Startup Challenge

Die Startup Challenge 2018/19 ist die erfolgreiche Fortsetzung eines Pilotprojekts, das die FAU vor zwei Jahren federführend für die Region Nordbayern durchführte. Unterstützt wurde das Gründerplanspiel vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Leistungszentrum Elektroniksysteme, dem Zentrum Digitalisierung Bayern und HOCHSPRUNG.

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LOHC nominiert für den Deutschen Zukunftspreis

Energie aus erneuerbaren Quellen bietet die Chance auf eine klimaschonende Versorgung mit elektrischem Strom, Wärme und alternativen Kraftstoffen. Doch Energie aus Wind oder Sonnenlicht steht nicht immer zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Eine Lösung bieten Energiespeicher wie Wasserstoff, dessen Nutzung aber noch eine Herausforderung darstellt. Wie lässt sie sich meistern?

Eine einfache und überzeugende Lösung fanden Prof. Dr. rer. nat. Peter Wasserscheid (FAU Erlangen-Nürnberg), Prof. i. R. Dr.-Ing. Wolfgang Arlt (Forschungszentrum Jülich) und Dr.-Ing. Daniel Teichmann (Hydrogenious Technologies GmbH in Erlangen), mit ihrem Projekt „Flüssige Wasserstoffspeicher – Wegbereiter einer künftigen Wasserstoffgesellschaft“. Dafür wurden die drei Wissenschaftler für den Zukunftspreis 2018 nominiert.

In Rahmen des LZE-Pilotprojekts „DC-Backbone mit Strom-Gas-Kopplung“ wurde auf Basis der LOHC-Technologie ein bisher einzigartiges System aufgebaut, welches in einem einzigen Container alle Komponenten eines LOHC-Speichersystems vereint und dieses zudem mit einem hoch effizienten lokalen Gleichstromnetz verbindet. Dem Prinzip des Leistungszentrums entsprechend wurde der “Container voller Energie” in enger Zusammenarbeit der Fraunhofer-Institute IISB und IIS mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und regionalen Industriepartnern errichtet.

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Innovationspreis Mikroelektronik 2018

Die diesjährigen Preisträger des Innovationspreises sind Thomas Heckel (Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Erlangen), Janina Ziller (Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen) sowie Thomas Schriefer (Lehrstuhl für Elektronische Bauelemente der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg).

Konventionelle Stecker haben elektrische, metallische Kontakte, die sich für die Energie- und Datenübertragung berühren müssen. In sensiblen Umgebungen steigt dabei der Aufwand der mechanischen Konstruktion und die notwendige Sicherheitsüberwachung.

Der Ansatz der Preisträger ist, eine kontaktlose Übertragung durch Induktion statt über direkte elektrische Kontakte vorzusehen. Das funktioniert ähnlich wie bei einer elektrischen Zahnbürste, nur mit einer sehr viel höheren Leistung. Die Leistungsdichte beim induktiven Stecker ist um den Faktor 25 höher.

Den Preisträgern ist es gelungen, bei 1000 Watt Leistung einen Wirkungsgrad von 98 Prozent zu erzielen. D.h. es entstehen nur Verluste von 20 Watt, die kostengünstig ohne großen Aufwand als Wärme abgeführt werden können. Gleichzeitig können Daten mit 10 Mbit/s über diesen Weg ausgetauscht werden.

Üblicherweise werden zum Aufbau eines solchen Systems mehrere Prototypen benötigt, um ein funktionierendes System zu realisieren. Der Schlüssel zum Erfolg war die Verknüpfung von Simulation und der praktischen Erfahrung im Labor. Die festgestellten Eigenschaften einzelner Baugruppen wurden in realitätsnahe Simulationsmodelle überführt, weshalb lediglich ein Prototyp aufgebaut werden musste. Anwendungsfelder für den kontaktlosen Stecker sind insb. sensible Umgebungen, wie z.B. in der Medizintechnik, der Lebensmitteltechnik, der Landwirtschaft oder der Bauwirtschaft.

Der kontaktlose Stecker wurde von den Preisträgern im Rahmen des Leistungszentrum Elektroniksysteme LZE entwickelt.

Über den Innovationspreis Mikroelektronik

Der Innovationspreis Mikroelektronik wird jährlich vom Förderkreis für die Mikroelektronik e.V. (einem Zusammenschluss von ca. 25 Unternehmen, zwei Fraunhofer-Instituten, vier Lehrstühlen der Universität Erlangen-Nürnberg und der IHK Nürnberg für Mittelfranken) für herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgeschrieben und ist mit 3.000 Euro dotiert.


#inNUEvation #seeyouagain

Am 2. und 3. Juli fand die erste #inNUEvation Innovationskonferenz in Nürnberg statt. Den Rund 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurde an den zwei Tagen das breite Spektrum an Forschung und Innovation in der Metropolregion Nürnberg präsentiert.

Internationale Referenten unter anderem aus Bangalore, Cambridge, Exeter, Stanford, Paris sowie hochrangige Industrievertreter referierten und diskutierten über die Themen Digitalisierung, Innovationsforschung und Zukunftstechnologien. Mit der Innovationskonferenz #inNUEvation, veranstaltet vom LZE e.V., stellten die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie die beiden Fraunhofer-Institute IIS und IISB gemeinsam mit Partnern aus der Industrie diese Leistungsfähigkeit unter Beweis – Fortsetzung folgt!

#inNUEvation #seeyouagain

 

Ein paar Impressionen zu #inNUEvation finden Sie in der Fotogalerie

Ein Film ist auf Youtube zu sehen.


Tief betroffen nehmen wir Abschied von unserem Gründungsmitglied und Direktor

Prof. Dr. rer. nat. Lothar Frey

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